Der Facebook Newsfeed – die Geheimnisse der organischen Reichweite

Von Nora Horn | Digitale Arbeitswelt

Feb 07
Facebook Algorithmus

Eigentlich klingt alles sehr einfach: Der Facebook Algorithmus, auch Edgerank oder Newsfeed genannt, zeigt die für die einzelnen Nutzer relevantesten Beiträge. Was in der Theorie so einfach scheint, ist in der Praxis jedoch oft undurchsichtig, schwer nachvollziehbar und ständigen Aktualisierungen und Änderungen unterworfen. In diesem Beitrag möchten wir erläutern, welche Faktoren den Facebook Newsfeed beeinflussen und anschließend einige essenzielle Elemente für mehr organische Reichweite aufzählen.

Organische vs. bezahlte Reichweite

Die organische Reichweite ist in den letzten Jahren zunehmend gesunken, das lässt sich nicht mehr bestreiten. Das liegt vor allem daran, dass die Zahl der veröffentlichten Beiträge innerhalb der letzten Jahre um ein Vielfaches zugenommen hat – natürlich können nicht alle davon im Newsfeed angezeigt werden. Laut Facebook könnten im Newsfeed eines durchschnittlichen Facebook-Nutzers um die 1500 Beiträge erscheinen – nachdem der Facebook Algorithmus die relevantesten Informationen ausgefiltert hat, werden nur um die 300 Beiträge tatsächlich angezeigt. Der Kampf um die Plätze in den individuellen Newsfeeds ist entsprechend hart. Ein geposteter Beitrag eines Unternehmens konkurriert demnach nicht nur mit den Inhalten privater Freunde und “Gefällt-mir”-Angaben des Nutzers, sondern auch mit bezahlten Beiträgen der Konkurrenz. Hohe Reichweiten auf Facebook sind längst nicht mehr kostenlos. Eine organische Reichweite von um die 10 % gilt bei vielen Unternehmen als normal. Dennoch sind Unternehmen der sinkenden organischen Reichweite nicht mittellos ausgeliefert – es gibt einige Tricks einer geringen Reichweite entgegenzuwirken und zumindest einen Teil seiner Fans nachhaltig zu erreichen.

Die drei Grundsätze:

Jeder veröffentlichte Beitrag wird durch den Facebook Algorithmus anhand einer Art Punkteskala mit anderen, möglichen Beiträgen verglichen. Die drei bekanntesten (neben Hunderten anderen) von Facebook kommunizierten Faktoren für die Zusammensetzung des Facebook Newsfeeds lauten wie folgt:

1.  Affinität – hierbei ausschlaggebend ist das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger. Wie interessiert ist der Nutzer an den Aktivitäten des Unternehmens? Hat er die Unternehmensseite erst kürzlich geliked und wie oft interagiert er mit dem Unternehmen und dessen Beiträgen?

2. Gewichtung – hier zählt die Interaktionsrate des eigentlichen Beitrags. Wurde der Inhalt verhältnismäßig oft geteilt, geliked oder kommentiert? Es ist jedoch nicht immer entscheidend, möglichst viele Interaktionen zu erhalten, sondern auch, durch welch Ursprungssituation der Inhalt entstanden ist (z.B. Teilen eines Fremdinhaltes) und ob Freunde mit dem Beitrag interagiert haben.

3. Zeit – entscheidend ist hier der zeitliche Abstand zwischen der Veröffentlichung des Beitrags und dem letzten Log-in des Nutzers – es gilt, je kleiner dieser Abstand, desto besser. Wichtig ist also, darauf zu achten, dass die Zielgruppe, die der Beitrag erreichen soll, im Augenblick oder kurz nach der Veröffentlichung aktiv ist.

Was zählt noch?

Abgesehen von diesen drei Hauptfaktoren greifen innerhalb des Facebook Algorithmus jedoch noch unzählige andere Kriterien und Metriken, über die Facebook im Detail nicht öffentlich kommuniziert. In der Gesamtsumme sind sie jedoch die wchtigsten Einflussgrößen und legen somit weitere Regeln fest, die jeder Social Media Managern kennen sollte:

  • Relevanz zählt – eine gute Beziehung zu seinen Followern zahlt sich aus. Über die bevorzugten Zielgruppen kann man Facebook sogar mitteilen, für wen man relevant sein möchte.
  • Interaktiv sein – wie ist dabei relativ egal, es muss nur etwas los sein unter den Beiträgen, am besten mit möglichst vielen Interaktionen mit dem Unternehmen selbst. Für Facebook ist das ein Zeichen für Relevanz. Wer um Interaktion, also Kommentare, Likes und Teilen bettelt, wird jedoch auch schnell von Facebook abgestraft.
  • Gutes Timing – Facebook Insights hilft dabei zu erkennen, wann die eigene Zielgruppe am häufigsten online ist. So erreicht man mit einem Post möglichst viele potenzielle Empfänger. Es lohnt sich jedoch immer, verschiedene Uhrzeiten und Tage zu testen und zu überprüfen, welche Zeiten am besten funktionieren. Versetzen Sie sich dabei in den Alltag und Lebensgewohnheiten ihrer Zielgruppe.
  • Verschiedene Formatehier sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Seien Sie alles, nur nicht langweilig. Ob Fotos, Videos, Artikel oder GIF’s – finden Sie heraus, was bei Ihrem Publikum ankommt. Generell gilt, Posts mit wenigen Zeichen (unter ca. 100) haben eine große Reichweite. Visuelle Inhalte sind seit Jahren die besten Pferde in den meisten Social Media-Ställen. Videos sollten aber direkt auf Facebook hochgeladen werden, die Reichweite wird durch einen Link zu anderen Anbietern (z.B. Youtube) geschwächt. Die neuesten Änderungen im Newsfeed Algorithmus verschaffen längeren Video-Inhalten und besonders Live-Videos hingegen eine höhere Reichweite.
  • Regelmäßigkeit/ Qualität vor Quantität – veröffentlicht eure Beiträge am besten mit einer festgelegten Frequenz. Am besten an mehreren Tagen über die Woche verteilt und nicht alles in einer Sitzung. Social Media Management Tools können dabei behilflich sein. Hier gilt auch das Prinzip – lieber weniger, dafür aber qualitativ hochwertige Inhalte veröffentlichen, als die Nutzer mit uninteressanten und wenig unterhaltsamen Posts zu nerven.
  • Schummeln lohnt sich nicht – Facebook lässt sich höchstens bis zum nächsten Algorithmus-Update austricksen. Clickbaits, Falschmeldungen, Spam und zu werbliche Nachrichten vermindern die Reichweite erheblich und werden von Facebook abgestraft.
  • Off-Topic – manchmal ist es hilfreich das seriöses Image abzulegen und ein paar unterhaltsame Off-Topic Beiträge in den Redaktionsplan aufzunehmen. Satirische und selbstironische Beiträge sowie Einblicke hinter die Kulissen erreichen häufig eine höhere Reichweite als der alltägliche Content der Unternehmen.

Nicht zuletzt muss erwähnt sein, dass die aufgezählten Faktoren mitnichten die komplette Systematic des Facebook Algorithmus repräsentieren. Facebook lässt sich diesbezüglich, vielleicht zurecht, ungern in die Karten schauen und arbeitet kontinuierlich an Aktualisierungen. Das Rennen um die besten Plätze im Newsfeed der Nutzer sollte aber auch nicht als ein Kampf gegen Windmühlen gesehen werden, immerhin ist es ein zuverlässiger Weg in die Herzen potenzieller Kunden!

 

 

Über den Autor

Nora Horn studierte PR- und Medienmanagement und ist als Marketing-Assistenz bei der Social Media Akademie tätig. Sie betreut außerdem die Social Media Kanäle und den Unternehmensblog.

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